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Nach 16 Jahren - Brandwein verlässt Theesen

Der A-Lizenzinhaber, der seit 2005 beim VfL die erste Mannschaft trainiert, wird den Verein im Sommer verlassen. Über die Beweggründe und viele schöne Jahre sprach Vorstandsmitglied Carlo Kosok, der u.a. für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, mit dem scheidenden Coach.

 

Du bist 2005 vom TuS Dornberg, bei dem du deine Trainertätigkeit begonnen hattest und 5 Jahre sehr erfolgreich warst, zum VfL gekommen. Woran erinnerst du dich noch?

Brandwein: Die ersten Kontakte zum VfL gab es ab der Winterpause 2004/05 und später regelmäßig in Form eines ausgedehnten Frühstücks mit Storki (Anm. der Red. Heinz Werner Stork). Ich spürte nach 4 Aufstiegen in Serie, von der B-Liga bis in die Westfalenliga, erstmals Gegenwind in Dornberg, da wir gegen den Abstieg spielten. Im Frühjahr 2005 ist dann die Entscheidung pro Theesen gefallen, der VfL stieg aus der Bezirksliga in die Landesliga auf und wir mit dem TuS am letzten Spieltag durch eine 0:1-Niederlage gegen den Lüner SV aus der Westfalenliga ab. Das war bitter.

 

Wie verlief der Start beim VfL?

Brandwein: Nun, zunächst war das für mich persönlich eine extrem belastende Zeit. Mein Vater, der während meiner Spieler- und auch Trainerzeit kaum ein Spiel verpasste, verstarb am 15. Juli 2005 infolge einer Krebserkrankung. Es war die erste Trainingswoche der Vorbereitung, ich erinnere mich noch sehr genau, ich war gerade dabei, im Keller eine Videoanalyse vorzubereiten, da erhielt ich die Nachricht, das mein Vater verstorben ist. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, der VfL -Vorstand um Klaus Weber und Heinz-Werner Stork hat einen großen Blumenkranz zum Grab tragen lassen, obwohl ich gerade erst wenige Tage im Verein war und sie meinen Vater gar nicht persönlich kannten. Vom TuS Dornberg, dessen Spiele mein Papa über Jahre regelmäßig besucht hatte, hat sich damals niemand gemeldet. Diese Geste habe ich nie vergessen und sie war nur ein Mosaikstein, warum ich so lange in Theesen geblieben bin. Sportlich ging es denkbar schlecht los, wir verloren unser erstes Spiel mit 0-1 beim TuS Jöllenbeck und gingen im zweiten Spiel, meinem ersten Heimspiel, mit 0-6 gegen den SV Spexard und den ehemaligen Theesen Coach Olaf Tödtmann unter. Es hagelte noch weitere Niederlagen und mein Abgesang war bei einigen schon vorbereitet, hier hielt mir insbesondere Heinz-Werner Stork den Rücken frei. Am Ende wurden wir als Aufsteiger hinter dem TuS Dornberg und dem Meister SC Wiedenbrück Tabellendritter.

 

Während deiner 16 Jahre beim VfL hast du viele Spieler kommen und gehen gesehen. Gibt es Akteure, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind - und wenn ja, warum?

Brandwein: Auffällig war, dass wir Dutzende von Trainingsgästen hatten, die sich selbst angeboten haben, die aber sportlich nicht ganz so überzeugen konnten, da waren echt lustige Jungs dabei. Da habe ich mir oft von den etablierten Spielern anhören müssen, was für Spieler ich da immer einlade. Besonders Thies Kambach hatte da oftmals seinen Spaß. Ich habe mich immer sehr gefreut, wenn es Jungs aus der eigenen Jugend geschafft haben, sich bei uns durchzusetzen. Und da gab es im Laufe der Jahre so viele, dass ich locker zwei komplette Mannschaften mit ihnen bestücken könnte. Der kompletteste und meiner Ansicht nach beste Spieler, der in meiner Zeit aus der Jugend des VfL zu uns in die erste Mannschaft kam, ist und bleibt Janik Steffen. Janik haben ein paar PS unter Haue gefehlt, ansonsten hätte er sicher den Weg in den bezahlten Fußball schaffen können. Zusammen mit Marvin Höner war er der kompletteste Spieler, den ich in Theesen trainieren durfte.

 

Du hattest immer ein Auge für unterklassige Spieler, die sich in Theesen super entwickelt haben, gibt es da Namen, die du nennen möchtest?

 

Brandwein: Micki Zech und Joschka Matys und ganz aktuell sicher Finn Jaster. Micki haben wir damals aus Senne geholt, ich kann mich noch gut an den Abend erinnern, als Storki und ich bei ihm zu Hause auf dem Sofa saßen und seiner Eltern überzeugen mussten. Joschka habe ich damals aus der U19 des TuS Hillegossen geholt, er hat dann nach seiner Zeit bei uns eine sensationelle Entwicklung genommen. Und Finn ist ja aktuell das beste Beispiel, dass es sich immer lohnt, ein paar Klassen tiefer nach guten und willigen Spielern Ausschau zu halten. Finn wurde auf Anhieb Stammspieler und kann sicher noch eine Liga höher spielen.

 

Gibt es ein besonderes Spiel, an das du dich gerne zurück erinnerst?

 

Brandwein: Diese Frage ist leicht zu beantworten. Am ersten Spieltag der Saison 2006/07 haben wir vor etwa 500 Besuchern den TuS Dornberg empfangen. Wir lagen zur Pause 1-3 zurück, waren chancenlos. Nach einer Stunde habe ich drei Jungs aus- und drei andere eingewechselt. Wenige Minuten später kassierten wir das 1-4. Und das ausgerechnet gegen den TuS. Was dann geschah, bleibt für mich für immer unvergessen. Wir kamen durch Özgür Esen wenige Minuten nach dem vierten Dornberger Treffer auf 2-4 heran und Thies Kambach sowie Christian Alberti sorgten 15 Minuten vor dem Ende per Doppelschlag für das 3-4 und 4-4. Dann kam die Nachspielzeit und Dr. Damian Solorz unterlief ein Handspiel im eigenen Strafraum - Elfer für Dornberg. Adis Hasic setze den Ball an den Pfosten und wir fuhren den (vor)letzten Konter. Esen rasselte mit Dornberg´s Torwart Mujala zusammen, der Schiedsrichter, Andreas Grandt, zeigte unserem Stürmer die Rote Karte. Als die Nachspielzeit im Grunde längst um war, drang Ilhami Karabas noch einmal in den Strafraum der Dornberger ein und wurde gefoult. Wieder Elfer. Thies Kambach setze den Ball in die Maschen und der Schiri pfiff gar nicht mehr an. Wahnsinn. 5-4 für uns. Diese Spiel wird nicht mehr zu toppen sein, wobei es sehr, sehr viele schöne und natürlich auch weniger schöne gab.

 

Es gab zahlreiche Erfolge und insgesamt auch zwei Abstiege aus der Westfalenliga, wie bewertest du deine Zeit beim VfL?

 

Brandwein: Wir sind jahrelang in der Landesliga mitgeschwommen, mal weiter oben und mal weiter unten. Der Aufstieg 2011 war im Grund eine Sensation. Wir sind dann in eine Westfalenliga hineingerutscht, die der heutigen Oberliga gleich kommt. Es war die Qualifikationssaison mit 8 Aufsteigern und Gegnern wie FC Gütersloh, SV Lippstadt oder Eintracht Rheine. Da waren wir chancenlos und haben dennoch sehr viel gelernt. Der sofortige Wiederaufstieg war dann die fast logische Folge. Wir hatten zwei super Jahre mit zwei fünften Plätzen in der Westfalenliga. Der Abstieg 2016 kam völlig überraschend, wir wurden von vielen Verletzungen geschwächt, haben keine guten Leistungen gezeigt und sind am Ende verdient abgestiegen. Nach einem Jahr in der Landesliga haben wir dann 2018 souverän den dritten Aufstieg gefeiert. Zu dem sind wir zweimal Kreispokalsieger geworden, wobei diese Titel Olaf Sieweke und Fynn Bergmann geholt haben, ich war im Pokal stets nur in zweiter Reihe tätig. Zudem haben wir in der Zeit als einziger Verein aus Bielefeld bei den Hallenmeisterschaften immer die Endrunde (15 mal) erreicht und sind 5 mal Stadtmeister - und somit Rekordsieger geworden.

 

Kommen wir zurück ins Jahr 2020. Welche Gründe haben den Ausschlag gegeben, dass du im Sommer 2021 aufhörst?

 

Brandwein: Es ist ja bekannt, dass es in Theesen immer ein ganz schweres Unterfangen war, sich finanziell in diesen Ligen zu behaupten. Wir haben sehr viel von unserem Team-Spirit gelebt und von der gesunden Vereinsstruktur. Ich konnte mich immer mit der Sache identifizieren und hatte viel Freude an der Arbeit im Verein, die oftmals über die normale Trainertätigkeit hinaus ging. Aus meiner Sicht ist jetzt aber die Zeit erreicht, den Weg für andere Ideen und neue Kräfte frei zu machen. Heinz-Werner Stork hört bekanntlich auch auf, das hat meine Entscheidung schon sehr beeinflusst. Er hat immer zu mir gesagt, „du bestimmst ganz alleine, wann du bei uns aufhörst.“ Der Zeitpunkt ist nun bzw. wird im Sommer kommen.

 

Welche Ziele habt ihr noch für die laufende Saison, sofern diese noch zu Ende gespielt wird?

 

Brandwein: Ich hoffe, dass ich meinem Nachfolger im Sommer eine Westfalenligamannschaft übergeben werde und wir Ende Juni in Altenhagen den Kreispokal gewinnen. Das wäre ein toller Abschluss. Abschließende Frage, wie sieht deine persönliche sportliche Zukunft aus? Ich werde mal sehen ob sich jemand meldet. Ein paar Jahre würde ich schon noch gerne im Trainergeschäft tätig sein. Sollte sich nichts ergeben, woran ich Spaß und Interesse habe, werde ich mir sicherlich das ein oder andere Spiel des VfL anschauen. Ich werde immer gerne hierher zurück kommen, weil meine Familie hier viele Freundschaften geknüpft hat, die auch über meine Trainertätigkeit hinaus bestehen bleiben werden. Ich möchte mich an dieser Stelle insbesondere bei unserem ehemaligen Präsidenten Klaus Weber, dem aktuellen Vorsitzenden Heinz-Werner Stork und bei Yalcin Karaca bedanken! Diese drei haben maßgeblichen Anteil an dem, was wir in den 16 Jahren aufgebaut haben.

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